Am 5. Sept. 1919 kaufte der seit 1914 vereidigte Hamburger Handelschemiker Dr. Theodor Karl Wilhelm Grethe für 20.000.- Goldmark das Laboratorium und führte es zusammen nach dem Austritt der Wwe. Ulex mit dem vereidigten Lebensmittelchemiker und Apotheker Friedrich Wilhelm Schmidt bis zum 9. Dezember 1923 als OHG. Nach dem Tode von Dr. Schmidt betrieb er die Firma mit kurzen Unterbrechungen als Alleininhaber über achtunddreißig Jahre bis zu seinem Tode am 18. August 1958.

Er wurde am 16. Juni 1886 zu Hamburg geboren als Sohn des Theodor Christian Louis Grethe und der Louise Mathilde G. Geb. Heisecke aus Hamburg-Eilbek. Er machte 1903 sein Abitur und studierte von 1905 bis 1909 an der Clemens August Universität zu Göttingen, promovierte 1909 magna cum laude unter Prof. Dr. Jakob Wackernagel über „a-b-Cyclohexanon“.

Er arbeitete einige Jahre am chemischen- und hygienischen Staatsinstitut zu Hamburg und schloss mit seinem Examen als Lebensmittelchemiker ab.

Kurzzeitig war seit dem 18. Febr.1929 der Chemiker Martin Harry Auerbach Kompagnon; Anfang 1930 gründet dieser ein eigenes Laboratorium.

Im Jahre 1930 wurde das Laboratorium nach dem Eintritt von Dr. Clemens August Joseph Grimme und Dr. Wolfgang Brendler so weit vergrößert, daß ein zweites Fachlaboratorium eröffnet werden konnte. Aus Gründen des platzlichen Mangels wurde der Hauptbetrieb nach Altona verlegt, das hamburger Labor blieb als Zweigbetrieb bestehen. Dr. Brendler trat 1936 wieder aus mit der Rückverlegung des Laboratoriums nach Hamburg.

Im Jahre 1939 wurde Dr. Grimme zum Wehrdienst als „Luftschutzchemiker“ eingezogen. Dr. Theod. Grethe wurde als “politisch unzuverlässig“ im nationalsozialistischen Reich, was ihn schon in den vorangegangenen Jahren beruflich ganz erhebliche Schwierigkeiten einbrachte, vom Wehrdienst freigestellt. Nur weil das Laboratorium gerade in der Kriegszeit eine wichtige Funktion hatte und man wohl auch nicht am umfangreichen Erfahrungsschatz von Dr. Grethe vorbeisehen konnte, durfte er wenigstens seinem Beruf nachgehen.

Im Jahre 1943 brannte das eigene Gebäude in der Schmiedestaße No.6 durch Bombeneinwirkung ab; das Laboratorium wurde provisorisch bis 1946 in einer Schlachterei in der Amandastraße in Altona weitergeführt. Im Jahre 1946 wurde im Rahmen einer umfangreichen Wiedergutmachung das Gebäude in der Schmiedestraße wieder aufgebaut; auch sein im Dritten Reich enteignetes Haus und Grundstück in der Bebelallee No.139 wurde de jure zurückgegeben, de facto diente es kurze Zeit britischen Offizieren als Wohnquartier.

In der Schmiedestraße 6 blieb das Labor bis zum Abriss des Hauses im Rahmen der U-Bahn-verlängerung vom Jungfernstieg zum Hauptbahnhof über Messberg bis zum Jahre 1957.

Die Firma wurde weitergeführt in gemieteten Räumen des Adressbuchhauses am Alten Fischmarkt No.11 gleich vis-a-vis.

Am 4. Februar 1958, nach dem Tode von Dr. Th. Grethe am 18. Aug. 1958 trat sein Sohn Theodor Grethe jun., geb. 1920, als Nachfolger ein. Am 4. April 1962 trat Dr. Clemens Grimme, nunmehr einundachtzig Jahre alt, aus der OHG aus.

Th. Grethe jun. Verkaufte, da er an den Folgen mehrfacher Malaria- und Ruhrerkrankungen im Rußlandfeldzug litt, zum 1. Okt. 1962 an den Hamburger Chemiker Hans-Joachim Mierendorff.

[HRA-U363]

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